Singapur

15 03 2012

Ich hatte relativ konkrete Erwartungen an Singapur, aber irgendwie was es am Ende gar nicht so wie ich dachte. Ich hatte es mir hypermodern vorgestellt, völlig steril und blitzsauber, weil Singapur ja dafür bekannt ist, sehr hohe Strafen für das Wegwerfen von Zigarettenkippen u.Ä. zu verhängen, ich hatte mit der Nagelschere geschnittenen Rasen erwartet, viele hohe Glasgebäude und geschäftig hin und her hetzende Menschen. Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich es mir viel mehr wie Dubai vorgestellt habe, womit ich aber ein bisschen daneben lag.

Der größte Unterschied zu Dubai lag wohl darin, dass der Himmel in den VAE blau ist und in Singapur extrem dunkelgrau war und ab und an sogar Wasser heraus fiel. Ich finde, das macht viel aus Zwinkerndes Smiley Aber auch die Gebäude waren viel älter und ich war sehr erstaunt, alte Taxis anstatt megamoderner Gefährte zu sehen. Zigarettenkippen habe ich zwar nicht entdeckt, aber dafür habe ich tatsächlich Plastik über die Straßen fliegen sehen! Na sowas Zwinkerndes Smiley

Insgesamt fand ich Singapur recht unspektakulär und fand, dass die 1,5 Tage, die wir dort verbracht haben, ausreichend waren (nicht zuletzt wegen der Preise, die aber im Vergleich zu Deutschland auch nicht sooo hoch waren. Nur im Vergleich zu meinen letzten Stationen waren sie halt etwas unerfreulich). Aber obwohl die Stadt an sich jetzt nicht so spannend war, hatten wir ein tolles Wochenende!! “Wir”, weil mich tatsächlich meine Freundin Silke hier besucht hat! Nach zehn Tagen auf Bali (Bericht folgt hoffentlich) haben wir uns nach Singapur aufgemacht, von wo Silke nach Hause und ich wieder nach Bangkok geflogen bin.

Nachdem wir in Bali hotelmäßig kontinuierlich abgestiegen waren, hatten wir große Erwartungen an das Hotel in Singapur, denn dank Silkes Tätigkeit im Reisebüro und den damit verbunden Supi-special-Raten hatte sie uns in einem 5-Sterne-Hotel einquartiert!! Und so fuhren wir mit dem Hightech-Aufzug in die 24. Etage, öffneten die Zimmertür und lachten uns erst mal kaputt angesichts so viel Luxus! Eine große Fensterfront mit Balkon, zwei Riesenbetten, ein Glasschreibtisch, eine Nespresso-Kaffeemaschine, eine Taschenlampe (!) für Notfälle, ein Riesensafe, drei (!) Telefone, zwei Bademäntel, mehrere Riesenspiegel, elektrische Vorhänge, sieben (!!!) Handtücher und zahlreiche Hautpflegeutensilien.

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Erst mal alles inspizieren:

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Und wie funktioniert jetzt die George-Clooney-Kaffeemaschine??

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Noch mehr lachen mussten wir, als wir feststellten, dass wir uns in diesem Hotel noch nicht mal das Wasser aus der Minibar leisten konnten. Geschweige denn das Frühstück für $47! (Sind 30€, aber die Preise in Singapur-Dollar sehen schockierender aus Zwinkerndes Smiley). Obwohl, eigentlich hätten wir doch einfach ein Croissant für $10 nehmen können! Oder zwei Rühreier für $23!

Wie auch immer, zum Glück hatten wir noch einen Brownie aus der AirAsia, mit der wir gekommen waren und so setzten wir uns an den Glasschreibtisch, tranken das einzige Getränk, das neben Wasser gratis erhältlich war und mampften standesgemäß den Brownie aus der Billigairline.

Für den Abend waren wir verabredet, nämlich – kleine Welt! – mit einer Schulfreundin von Silke, die in Singapur wohnt. 15 Jahre lang hatten sich die beiden nicht gesehen und jetzt stellten sie vor ein paar Wochen fest, dass Carmen hier wohnt und Silke her kommen wird! Verrückte Welt, echt!

Zu dritt liefen wir erst mal durch Chinatown, das ich ziemlich unspektakulär fand, da zu 100% auf Tourismus ausgerichtet. Was aber super war, war das Essen! Echte chinesische Pekingente! Diese dunkelrot gefärbte Ente hatte ich schon oft in irgendwelche Fenstern hängen sehen, aber erst jetzt hab ich gelernt, wie sie richtig serviert wird: Erst wird nämlich die knusprige Haut in Vierecke geschnitten und zusammen mit einem Stückchen Gurke und ein bisschen Sauce in dünnen Teig eingerollt. Und zwar wird mit Stäbchen gerollt.. Das wird dann – wahlweise mit noch einer Sauce – gegessen und schmeckt einfach hervorragend!!

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Der Rest der Ente wird mit Ingwer und Sauce serviert. Außerdem hatten wir noch andere Sachen dazu bestellt und es war riiiiiiiiichtig, richtig lecker! Jetzt hab ich also mal “echt” chinesisch gegessen!

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Nach dem Essen machten wir uns auf zum Marina Bay Sands, einem riesigen Hotel mit so was wie einem großen Schiff auf dem Dach. Bei Tageslicht sieht es so aus (das Schiff erkennt man von so nah nicht so gut, aber man erahnt es):

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Oben, auf der 57. Etage, befindet sich eine Bar, in der man mit fantastischem Ausblick sitzt und trotz Freiluft überhaupt nicht friert. Vorher war natürlich noch eine kleine Fotosession mit atemberaubendem Hintergrund angesagt!

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(Carmen ist übrigens nicht dick, sondern schwanger.)

Unten im Hotel befindet sich ein Restaurant mit ganz vielen Aquarien, aus denen sich die zahlungskräftigen Gäste ihr Essen aussuchen können. Die armen Viecher waren gefesselt und konnten sich gar nicht bewegen Trauriges Smiley Aber es war schon beeindruckend – ich hatte noch nie so eine Riesenkrabbe gesehen!!!!!

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Wie Carmen uns erklärte, bekommt man, wenn man so ein Tierchen ordert, eine Art Regencape, das man anzieht, um die entstehende Schweinerei aufzufangen. Ganz schön schräg: Da kommt man im schicken Cocktailkleidchen ins Restaurant und sitzt am Ende mit Regencape am Tisch.

Am nächsten Tag durchkreuzten wir Singapur mit einem Hop on hop off-Bus, von dem wir aber – bis auf eine obligatorische Pause – kein einziges Mal off gehoppt sind, weil es nämlich mal wieder geregnet hat. Es war ganz nett, um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, aber spektakuläres gab’s nicht zu sehen.

Dafür war aber was anderes spektakulär: eine Ausstellung über die Titanic!! Die Werbung dafür hatte ich zufällig entdeckt und da mich die Geschichte der Titanic schon seit jeher fasziniert hat (schon vor dem Film), wollte ich sooooooo gerne dorthin! Und es hat sich gelohnt! Es war einfach toll, super super super toll, hervorragend gemacht!! Es gab ich glaube 270 Original-Gegenstände zu sehen, zu denen Schiffsteile, aber auch Zahnbürsten, Spiegel, Schuhe u.Ä. und sogar Briefe gehörten (es bestand übrigens Fotografierverbot).

Aber das allein hätte die Ausstellung nicht sehenswert gemacht. Beeindruckend wurde sie zum einen dadurch, dass es den Organisatoren gelungen ist, in jedem Raum eine andere Stimmung zu erzeugen: Zunächst Aufbruchsstimmung, später 1. Klasse-Ambiente mit klassischer Musik, während man in der 3. Klasse vor allem die Maschinen hörte usw. Es war einfach toll. Dazu kamen die Rekonstruktionen: Relativ am Anfang läuft man durch einen Gang, von dem rechts und links die Kabinen abgehen und ich hätte für einen Moment schwören können, dass ich wirklich auf der Titanic bin!

Unglaublich war auch das Außendeck: Von dort aus sah man den Sternenhimmel und fühlte die Kälte der frischen Luft. An den Seiten waren zwei große Spiegel angebracht, die einen Eindruck der Länge des Decks vermittelten. Es war wirklich toll. Dazu gab es natürlich Erklärungen und Zitate und immer wieder kam mir etwas aus dem Film bekannt vor, was zeigt, wie detailgetreu und hervorragend recherchiert der Film ist.

Es gab sogar einen Eisberg, der aber natürlich nicht Originalgröße hatte Zwinkerndes Smiley Er sollte einen Eindruck für die Kälte des Wassers vermitteln. Übrigens waren auch die Ticketpreise angegeben und zwar mit ihrem heutigen Gegenwert: Die Tickets für die zwei teuersten Suites lagen (in USD) bei 103.000 bzw. 50.000. Krass!!!!!! Die Fahrkarten für die 3. Klasse schlugen immer noch mit einem heutigen Wert von $900 zu Buche. Nicht gerade wenig, vor allem, wenn man bedenkt, dass ja viele nicht allein gefahren sind, sondern mit der Familie unterwegs waren.

Also: die Ausstellung war einfach hervorragend, es gab viel zu sehen, viel zu lernen und irgendwie auch viel zu fühlen. Es handelt sich um eine Wanderausstellung oder wie man es nennt, das heißt sie wird nicht ewig in Singapur sein. Wenn ihr also irgendwann mal die Möglichkeit bekommt sie zu besuchen, macht es!!

Nach der wirklich beeindruckenden Ausstellung haben wir noch ein richtig schlechtes Essen zu uns genommen (zumindest war meins schlecht, sollte Hähnchen mit Kokos-/Currysauce sein, aber war irgendwie total scharfes Öl mit leichtem Kokosgeschmack.. urgs) und sind dann schon zum Flughafen gebraust.

Mein Fazit: Die Stadt hat mich jetzt nicht sehr begeistert, aber der Abend mit den Mädels in der Bar im 57. Stock und die Titanic-Ausstellung haben das Wochenende trotzdem sehr lohnenswert gemacht!! Es war echt super!! Smiley



Zeitreise

14 03 2012

Hin und wieder fühle ich mich wie in einer Zeitmaschine. Nicht, weil mir manche Länder mittelalterlich oder futuristisch vorkommen, sondern weil ich Zeitrechnungen durchreist habe, von deren Existenz ich nichts wusste!

Angefangen hat es in Deutschland, wo wir bekanntermaßen das Jahr 2012 schreiben (als ich abgereist bin, war es noch 2011, aber das ist jetzt nicht so wichtig). Lustigerweise habe ich im Internet (wo sonst?) das Datum gefunden, an dem der bis heute verwendete gregorianische Kalender in Aachen eingeführt wurde: Nämlich am 11.1.1583. Interessant. Damit war unsere schöne Kaiserstadt eine der ersten in Deutschland – wenn nicht sogar die erste – die die neue Zeitrechnung offiziell einführte. Was wiederum zeigt, wie katholisch Aachen damals war, denn der gregorianische Kalender ist nach dem damaligen Papst benannt, der die Reform anordnete. Aus diesem Grund ließen sich die Protestanten lange bitten und so dauerte es bis 1776, bis der gregorianische Kalender durch den deutschen Kaiser für das gesamte Reich eingeführt wurde.

Die erste Station meiner Zeitreise führte mich im Iran in das Jahr 1390. Lustig, dieses Datum bei SMS oder so auf meinem Handy angezeigt zu bekommen. Ausgangspunkt der Zeitrechnung ist das Jahr 622, in dem der Prophet Mohammed sich von Mekka nach Medina aufmachte. Das iranische Jahr beginnt am 21. März (also bald!!), hat aber ebenso wie das des gregorianischen Kalenders 365/366 Tage. Außer im Iran wird der iranische Kalender, auch Dschalali-Kalender genannt, nur noch in Afghanistan verwendet.

Weiter ging’s in den VAE, Jordanien und schätzungsweise auch in Palästina mit dem islamischen Kalender, in dem man seit November das Jahr 1433 schreibt. Die Zählung beginnt, ebenso wie beim iranischen Kalender, mit der Auswanderung Mohammeds aus Mekka. Allerdings handelt es sich um einen Mondkalender, während der iranische (ebenso wie unserer) ein Sonnenkalender ist, was erklärt, warum die Iraner den Moslems so hinterherhinken. (An dieser Stelle sieht man mal wieder, dass die Iraner finden, dass man ihnen den Islam aufgezwungen hat.)

Mit meiner Einreise nach Israel sprang ich dann mal locker 4339 Jahre nach vorn und befand mich schlagartig im Jahr 5772. Krass. Dass der jüdische Kalender ein bisschen komplizierter ist als die anderen, erkennt man meiner Meinung nach schon an seiner Bezeichnung: Es handelt sich nämlich um einen Lunisolarkalender. Also irgendeine Mischung anscheinend, die nicht nur über kuriose Ausnahmen verfügt, sondern zu Bibelzeiten auch noch anders funktionierte als heute. Wer also näheres wissen möchte, macht sich bitte selbst bei Wikipedia schlau Zwinkerndes Smiley.

In Thailand traf ich – Überraschung – schon wieder auf eine neue Zeitrechnung: Man folgt dem buddhistischen Kalender und befindet sich im Jahr 2555. Ausgangspunkt ist der Tod Siddharthas 544 v.Chr. Praktischerweise stimmen aber die Tage und Monate mit unserem Kalender überein. Zur Frage, wann das buddhistische Neujahr beginnt, zitiere ich Wikipedia: Es kann “am 1. Januar, mit dem ersten Frühlingsneumond (Tet-Fest, Chinesisches Neujahr), mit dem vierten Vollmond des Mondjahres (Vesakh), oder einem anderen Tag beginnen.” Aha. Oder mit einem anderen Tag also.

Erfreulicherweise wartete auch Indonesien mit einem eigenen Kalender auf, der insbesondere auf Bali und Java verbreitet ist: Der Pawukon-Kalender, dessen Jahr nur 210 Tage dauert. Es handelt sich um einen rein numerischen Kalender und so sieht man vor allem Zahlenkolonnen, wenn man bei Wikipedia versucht herauszufinden, in welchem Jahr Bali sich gerade befindet. Ich überspringe diesen Punkt daher Zwinkerndes Smiley

So, das war also meine Zeitreise bisher. Mal sehen, was mich in Zukunft noch erwartet!!